Von Papas Schultern
winkt beste Sicht
Krippenspiel in St. Nicolai fesselt mehr als 300
Kinder – Vorhalle wandelt sich zum Kinderwagen-Großparkplatz
st Lüneburg.
Das Kamel zieht alle Kinderblicke auf sich. Als die drei
Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem
aufbrechen und dafür den Treiber des Wüsten-Reittiers rufen,
recken sich dutzende Kinderhälse, und Papas Schultern halten als Aussichtsplattform
her
obwohl unter den beiden Höckern Kinderköpfe stecken. In St. Nicolai verwandelt sich
die Kirchenvorhalle zu Weihnachten zu einem Großparkplatz für Kinderwagen. Die Kirchengemeinde
feiert die Geburt Jesu unter anderem mit einer Kinderchristvesper, Mittelpunkt ist
die Darstellung der Weihnachtsgeschichte als Krippenspiel mit mehr als 30 Akteuren.
Im Mittelschiff ist jeder Platz mit unverstelltem Blick auf den Altar besetzt. Aufgeregte
Kinderrufe mischen sich mit Orgelmusik, bis Jennifer Stevens die erste Solo-Strophe
anstimmt.
Danach nehmen die Erzählerinnen der Krippen-Truppe
Bezug auf die Architektur des Gotteshauses im Wasserviertel:
„Seht ihr das Fenster hinter uns? Die Ranken stellen
den Stammbaum Jesu dar. Und die Rose ist Maria mit dem Jesuskind.“ Die Hirten warten
in Felljacke und mit Stab in der Hand auf ihr Stichwort. Kind gerecht erklärt Vikarin
Cornelia Möller den kleinen Gottesdienstbesuchern
die Idee des Festes. „Gott schickt uns seinen Sohn, weil er alle Menschen lieb hat.
Er kommt mitten ins Stroh und ins Heu, weil er den Menschen ganz nah sein will.
Das Wunder von Weihnachten ist die Liebeserklärung Gottes an alle Menschen, an jeden
einzelnen“, sagt sie umringt von Kindern, die passend zum Weihnachtslied „Ihr Kinderlein
kommet“ zum Altar drängen. Einige der Kleinen mussten Mama an die Hand nehmen. Allein
trauen sie sich nicht. Vorne hat Justus einen Stammplatz. Der Neunjährige spielt
Melchior, einen der Heiligen drei Könige. „Das ist auch meine Traumrolle“, strahlt
er nach dem gelungenen Auftritt, als die Gottesdienstbesucher an den kleinen Stars
der Aufführung vorbei aus der Kirche strömen. Dort steht auch Swantje (10), die
mit einem golden bestickten Tuch über dem Kopf Maria darstellt. Unter der Kutte
des Josef verbirgt sich ein kleiner Etikettenschwindel: Philine spielt die eigentlich
männliche Rolle, die Siebenjährige schafft das aber. Als Dankeschön erhält jeder
Darsteller von der Vikarin eine gelbe Rose und eine Kerze – die stolzen Blicke der
Eltern gibt es gratis dazu.
Neue Rampe für Rollstuhlfahrer in St. Nicolai
Abendmahl ohne Barriere

Max Hartwig hat sie als Erster getestet, und sein Urteil ist positiv. "Die neue Rampe zum Altarraum in der Nicolaikirche erfüllt ihren Zweck. Mit beiden Rollstühlen komme ich ohne Hilfe über die zwei Stufen", hat der 13-jährige Lüneburger nach den Probefahrten Pastor Eckhard Oldenburg berichtet und das beim Treffen in der Kirche noch einmal locker demonstriert. Max wurde 2011 in St. Nicolai konfirmiert und kann nun das Abendmahl im Altarraum mit einnehmen - bisher war dieser für Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Rollator durch zwei Stufen unerreichbar. Die Schifferkirche im Wasserviertel wird durch den Einbau der Rampe nicht nur von einer weiteren Barriere befreit, sondern setzt auch ein weiteres Zeichen in Sachen Integration. Pastor Oldenburg hatte den Umbau angeregt, "weil Menschen im Rollstuhl bisher das Abendmahl nur im Mittelgang entgegennehmen konnten. Mit Hilfe der Bürgerstiftung St. Nicolai, die knapp 2000 Euro für den Einbau bereitgestellt hat, haben wir eine Lösung gefunden, die man in Abwandlung eines Wortes von Jesus Christus überschreiben könnte: Der Kirchenraum ist für die Menschen da und nicht der Mensch für den Kirchenraum". Da die 600 Jahre alte Nicolaikirche Auflagen des Denkmalschutzes gerecht werden muss, musste eine Rampe installiert werden, die das Gebäude baulich nicht verändert. Sie ist aus Holz, fest installiert, aber entfernbar. Da in der Kirche auch Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden, gehört ein variabler Aufsatz für Dirigenten dazu, damit dieser waagerecht stehen kann.
